Networking Day Recap

Vorgestern war ich einer von 250 TeilnehmerInnen des ersten virtuallen „European Networking Day“. Dieses Event wurde veranstaltet von den Organisatoren der European Cloud Conference und des European Collaboration Summit. Ich habe fast 6 Stunden in dieser virtuellen Realität verbracht (das Event wurde mittels Altspace VR abgehalten), also dachte ich mir, dass eine kleine Rückschau für diejenigen, die nicht dabei sein konnten oder diejenigen, die ähnliche Events in Zukunft planen, ganz interessant sein könnte. Denn so wie es aussieht, wird uns Covid-19 und damit virtuelle Events noch eine ganze Zeit lang begleiten (hrmpf)!



Bühne und Open Space während des Networking Day (Foto: European Collaboration Summit)


Positives


Es hat wirklich großen Spaß gemacht, „Leute zu treffen“. Auch wenn man diese nicht im wirklichen Leben sehen konnte, nicht einmal echte Gesichter. Trotzdem waren die Avatare um so viel besser als alle digitalen Konferenzen (wo man meist nur Video-Streams anschaut) oder Teams Meetings. Auch wenn letztere in den letzten Monaten viele Verbesserungen erfahren haben (Stichwort „Together Mode“), fühlt sich die virtuelle Realität einfach viel natürlicher an als ein beliebiges Meeting, sei es Teams, Zoom, oder ähnliche.


Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass es in VR plötzlich wieder möglich wird, an einem Gespräch einer Gruppe teilzunehmen, ohne sofort „auf der Bühne“ zu stehen wie bei einem Teams Call, zu dem man – oftmals mit eingeschalteter Kamera – beitritt und damit sofort für jeden anderen sichtbar ist und bemerkt wird. Stattdessen kann man, wie in der echte Welt, sich einer Gruppe, die sich gerade unterhält, nähern und erst einmal eine Weile zuhören, bevor man sich dann beteiligt, wenn man das möchte. Das „Geräuschkonzept“ in AltspaceVR ist dabei ziemlich gut ausgeklügelt – je näher man einer Person kommt, desto lauter wird diese & umgekehrt, außerdem verändert sich auch die Richtung, aus der das Geräusch kommt, wenn man sich selbst bewegt, dreht, etc. Dies trägt viel dazu bei, dass es sich deutlich natürlicher anfühlt, mit Leuten um sich herum ins Gespräch zu kommen. Ich habe auch bemerkt, dass die Avatare sogar ihre Augen bewegen und auf den- oder diejenige richten, die gerade spricht – sehr cool!


Die Organisatoren haben es auch geschafft, ein ziemlich cooles Raum-Design zu entwerfen (Indoor, Outdoor, einige Bars, eine Bühne, ein großer Open Space) und einige gute Ideen zu entwickeln: So fand beispielsweise am Mittag ein virtuelles Konzert auf der Bühne statt. Dieses (vorab aufgezeichnete) Konzert-Video wurde auf einer Leinwand auf der virtuellen Bühne abgespielt. Zu dieser Zeit war der Raum am Limit – keiner konnte mehr rein. Glücklicherweise war ich von Anfang an da! Gegen Ende des Events fand dann eine Podiumsdiskussion mit den Organisatoren und einigen Gästen/Sponsoren auf der virtuellen Bühne statt. Thema war – natürlich – wie gut eine solche digitale Konferenz funktioniert. Ganz zum Schluss gab es eine virtuelle Schneeballschlacht – sehr witzig!

Wie auf echten Konferenz-Expos versuchten die Organisatoren natürlich auch hier, die Interaktion mit den Ständen (= virtuellen Räumen) der Sponsoren zu maximieren. Dies wurde durch eine Challenge erreicht, so viele „CollabCoins“ wie möglich zu sammeln. Coins konnte man einerseits durch das Scannen eines QR Codes im Raum des Sponsors sammeln (ein Punkt), sowie durch ein Gespräch mit dessen MitarbeiterInnen dort (musste von diesen bestätigt werden, zwei CollabCoins). Ich habe von mehreren Sponsoren/Ausstellern gehört, dass dies wohl besser funktioniert hat als erwartet.




“Negatives”


Das Setup vorab war nicht ganz ohne. Man muss einerseits mal wieder einen neuen Account erstellen – keine Chance, einen vorhandenen Microsoft, Azure AD, Google Account oder sonst etwas zu verwenden. Außerdem konnte ich diesen Account nicht auf der Website von AltpaceVR erstellen (dies ist im Moment blockiert), sondern musste erst die (in meinem Fall Windows-)App herunterladen und dies darin tun. Bei meinen ersten Versuchen erhielt ich dabei mehrere Fehlermeldungen, nur um einige Stunden später festzustellen, dass es doch funktioniert hatte und mein Account bereits existierte. Und übrigens, ein Feedback an die Ersteller des Registrierungsformulars bei AltspaceVR: eine Auswahl, in der ich mein Herkunftsland durch Klicks auf einen Pfeil nach rechts oder einen nach Links auswählen muss & mich damit durch eine ellenlange Liste aller Länder dieser Welt klicken muss, ist eine absolute Frechheit und eine echt schlechte Benutzererfahrung. Jeder vernünftige Mensch verwendet dafür ein Dropdown, das man Aufklappen und Durchscrollen kann; warum ihr nicht?


Wie bereits erwähnt, muss man die App aus dem Store herunterladen – ein Teilnehmen über den Browser ist ebenso wenig möglich wie es keine mobile App dafür gibt. Weil ich keine VR-Brille besitze, konnte ich diesen Weg der Teilnahme leider nicht testen. Um sich mit der VR-Umgebung vertraut zu machen, sollte man auch ein bisschen Zeit mitbringen – aber das ist ja eigentlich mit jeder neuen App der Fall. Als jemand, der in seinem Leben schon viele First-Person Computerspiele gespielt hat, bin ich mit der Steuerung (Bewegung, Interaktion, Dinge greifen etc.) jedenfalls schnell und gut klargekommen.


Bei der Soundqualität (die positiven Aspekte dazu oben) habe ich feststellen müssen, dass viele offenbar leider ihre PC-Lautsprecher und Mikrofone verwendet haben. Dies führte oft zu leichten Echos, die ziemlich nervig sein konnten, wenn an sich neben mehreren Avatars mit diesen „Problem“ befand. Aber hey, es war für fast alle von uns das erste Mal. Ebenso waren Unterhaltungen mit mehr als zwei Personen manchmal auf Grund der leichten Verzögerung der Tonspur etwas schwierig, da sich die Personen dann oftmals unabsichtlich unterbrochen bzw. ins Wort gefallen sind. In diesen Situationen wurde einem klar, dass man sich eben noch nicht wieder in der „realen“ Welt befindet (über stummgeschaltete Mikrofone gar nicht erst zu sprechen… :-D).


Speziell beim European Networking Day sind mir ebenfalls ein paar Dinge aufgefallen, die man noch verbessern könnte: Zum Beispiel habe ich etwas gebraucht, bis ich kapiert habe, wie ich überhaupt in das Event in AltspaceVR reinkomme. Man musste dafür auf ein Banner auf der Website klicken, was dann wiederrum die AltspaceVR App gestartet hat & direkt dem Event beigetreten ist. Auf der AltspaceVR-Website konnte man das Event auch als Favoriten markieren (wenn man angemeldet war); das half aber leider gar nichts – die Favoriten sind nämlich in der App nicht sichtbar -.-


Im Bezug auf die Räume der Sponsoren und das Sammeln von CollabCoins fand ich den Teleporting-Vorgang mit der Zeit etwas nervig. Jedes Mal, wenn man einen Sponsorenraum betreten wollte, musste man sich dorthin „teleportieren“, was jedes Mal ca. 2-5 Sekunden dauerte. Wenn man dann alle ca. 40 Sponsoren besuchen wollte, wurde das schon ziemlich viel. Vor allem, weil man auf dem Weg zurück in den zentralen Bereich immer am selben Ort wieder „herauskam“ – nicht dort, wo man gestartet war. Das Sammeln der CollabCoins mittels Scan der QR codes führte außerdem zu einem ständigen Wechsel zwischen Rechner-Bildschirm und Smartphone. Schlussendlich – wohl dem, der in seinem mobilen Browser ein Autocomplete-Feature hat! Ansonsten wäre es ein riesiger Aufwand gewesen, für jeden Sponsor wieder Name, Firma & E-Mailadresse einzutippen (Danke, Edge für iOS!).


Land auswählen durch Klicken? Like...why?


Mein Fazit


Auch wenn der Abschnitt „Negatives“ oben ein wenig länger ist als der Abschnitt Positives – es hat einen Grund, dass ich „Negatives“ in Anführungszeichen gestellt habe. Insgesamt war ein fantastisches Erlebnis. Ich habe es sehr genossen, so viele Menschen an einem Ort versammelt zu sehen. Und obwohl das Erlebnis ein paar Schwächen hatte, hat es sich die meiste Zeit sehr „echt“ angefühlt. Das tollste war für mich zu sehen, wie gut Unterhaltungen in der Gruppe im zentralen Bereich der virtuellen Konferenz funktioniert haben.


Natürlich können manche Dinge noch verbessert werden – das gilt aber explizit für beide Seiten (siehe Teilnehmer, die kein Headset verwenden…). Aber alles in allem hat mir der Tag viel Spaß gemacht und ich habe nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergeht.

Daher: vielen vielen Dank an Adis, Margit und das ganze CollabSummit und CloudSummit-Team für ihre großartige Arbeit & vielen Dank an alle Sponsoren, die das möglich gemacht haben. Tolle Arbeit!

Ach, und übrigens – sehr coole Preise in der CollabCoins challenge! Habe ich schon erwähnt, dass ich eine Freikarte für den Cloud Summit nächstes Jahr gewonnen habe? Wir sehen uns dort!



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